Die Zakat und ihre Geheimnisse

In seinem berühmten Werk “Wiederbelebung der Religionswissenschaften”, befasst sich Abu Hamid Al Ghazali (1058-1111) mit der tiefgründigen und spirituellen Dimension der Zakat.

Nachdem der Imam an die Wichtigkeit der Zakat erinnert hat, die eine Verpflichtung und ein Grundpfeiler unserer Religion ist, erinnert er an die Notwendigkeit, die Zakat unter ihren zwei Aspekten zu betrachten: einerseits als Akt der Hingabe und Gehorsam gegenüber Gott und andererseits als Akt der Solidarität und das Recht der Armen. Diese beiden Aspekte sind untrennbar miteinander verbunden und von unterschiedlicher Tragweite.

Als Akt der Anbetung unterliegt die Zakat präzisen Regeln, die in den Fiqh-Werken beschrieben sind, beginnend mit dem Vorhandensein der Absicht. Als Akt der Solidarität muss sichergestellt werden, dass das Ziel der Armutsbekämpfung mit der Zakat auf bestmögliche Weise erreicht wird.

Al Ghazali hebt sechs subtile Regeln des Anstands hervor, die der “Aspirant” beachten muss, um diese Pflicht bestmöglich zu erfüllen. Wir listen sie unten auf.

1- Den zu prüfen, der behauptet Gott zu lieben.

Gott sagt im Koran : « Meinen die Menschen, dass sie in Ruhe gelassen werden, (nur) weil sie sagen: Wir glauben”, ohne dass sie geprüft werden? Wir haben bereits diejenigen vor ihnen geprüft. Allah wird ganz gewiss diejenigen kennen, die die Wahrheit sprechen, und Er wird ganz gewiss die Lügner kennen.» (S.29-V.2-3).

So prüft Gott den Muslim, indem er ihn «zwingt, das zu spenden, was ihm lieb ist, sich von der Gier befreit und sich dankbar zeigt für den Wohlstand den er besitzt.»

 

 

 

2- Sie im Verborgenen bezahlen

Dieser Punkt ist zwischen den Oulamas Gegenstand unterschiedlicher Meinungen, die im Allgemeinen der Ansicht sind, dass die Zakat, wie die fünf Gebete, das Ramadan-Fasten oder die Pilgerreise als Verpflichtung öffentlich durchgeführt werden kann oder muss. Al Ghazali ist einer von denen, die sich dafür einsetzen, die Zakat diskret zu geben.

Dies dient dazu, Doppelzüngigkeit und Prahlerei zu vermeiden, die die gesamte oder einen Teil der Handlung zunichte machen können, und auch zu vermeiden, die bedürftige Person öffentlich zu machen, sodass jeder seine Situation kennt. Um die Divergenz zu überwinden schlägt Al Ghazali vor, einen Teil der Zakat öffentlich und einen Teil im Verborgenen zu geben.

3- Seine Geste vor Prahlerei und schlechtem Benehmen bewahren.

Gott sagt im Koran : « O die ihr glaubt, macht nicht eure Almosen durch Vorhaltungen und Beleidigungen zunichte, wie derjenige, der seinen Besitz aus Augendienerei vor den Menschen ausgibt und nicht an Allah und den Jüngsten Tag glaubt! » (S.2-V.264). Der Spender von Zakat muss vermeiden, sein Tun der Prahlerei auszusetzen, und er muss jede hochmütige Haltung oder herablassende Worte gegenüber den Bedürftigen vermeiden.

“Der Spender sollte sich nicht als Wohltäter der Armen betrachten, sondern  letztere als seine Wohltäter! ” Denn es ist der Bedürftige, der ihm erlaubt, seiner religiösen Verpflichtung nachzukommen und sich so zu reinigen und den Segen für sich, seine Familie und seinen Besitz zu erlangen!

4- Seiner Spende keine Bedeutung beimessen.

Der Gläubige muss seine Spende geringschätzen und seine Tat nicht  bewundernswert finden, deshalb heisst es, dass das Gute nur durch drei Dinge erreicht wird: es gerinzuschätzen, es zu beschleunigen und es zu verbergen”.

Die erfahrenen Oulamas erklären, dass man sein Tun immer in Bezug auf die Segnungen Gottes betrachten soll, die Vollkommenheit seiner Taten, unsere eigenen Mängel und das Tun derer betrachten müssen, die uns im Gottesdienst übertreffen, beginnend mit unserem Prophet (saws). So bleiben wir demütig und gottesfürchtig gegenüber unseren Taten und vermeiden die Falle der Überheblichkeit.

5- Nur das Beste geben.

Der gebürtige Imam von Tus erinnert sich an die Verpflichtung, nur rechtmässig und legal erworbene Güter zu geben, weil “Gott rein ist und nur das akzeptiert, was rein ist” (Muslim). Dann empfiehlt er, von dem zu geben, das uns am liebsten ist, um dem göttlichen Gebot zu entsprechen:  « Und sucht nicht zum Ausgeben das Schlechte davon aus, während ihr (selbst) es nicht nehmen würdet» (S.2-V.267). Er sollte dies erreichen, indem er sich als erstes bewusst wird, Wem er seine Handlung widmet. Dann findet er bei Gott, was er voausgeschickt hat, besser und nicht verderblich.

Auch wenn wir in der Schweiz von dieser Regel nicht sehr betroffen sind, da wir Zakat selten auf Ernten oder Vieh geben, bleibt die Tatsache bestehen, dass wir darauf achten müssen, betreffendes Vermögen nicht von Zakat-Berechnung auszuschliessen (Aktien, Pensionsfonds, Kredite, Erbschaften usw.)

Dazu finden Sie unter unserem FAQ mehr Informationen.

6- Den rechtmässigen Begünstigten suchen.

Wie erwähnt, als Akt der Anbetung kann die Zakat nicht irgendwie, zu irgendeiner Zeit und an irgendjemanden gezahlt werden. Acht Kategorien von Begünstigten wurden in der Sure 9 (die reuige Umkehr) aufgeführt.

« Der Gläubige muss jemanden suchen, dem er seine Zakat bezahlen kann und Gewissheit haben, dass sie an Menschen aus diesen acht Kategorien verteilt wird. ». Insbesondere in der Schweiz ist es jedoch nicht immer einfach, Menschen ohne Ressourcen zu finden, die keine staatliche Unterstützung erhalten, während es in Afrika, im Jemen und in Palästina Hunderttausende in Flüchtlingslagern gibt. Anstatt direkt nach den Begünstigten zu suchen, sollten die Gläubigen eher versuchen, ihre Zakat einer seriösen Organisation anzuvertrauen, die ihre Zakat dorthin weiterleitet, wo sie am nützlichsten ist.

Seit 1984 ist Islamic Relief die erste karitative muslimische Organisation der Welt, welche Ihre Zakat weltweit in mehr als 30 Ländern verteilt.

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