Gaza drei Jahre danach

Drei Jahre nach Kriegsbeginn ist das Leid der Familien in Gaza noch immer nicht vorbei. In abgenutzten Zelten stehen sie vor einem weiteren Winter, ohne ausreichend sauberes Trinkwasser, Nahrung und medizinische Versorgung. Unterstützen Sie die Menschen in Gaza mit Islamic Relief Schweiz.

Gaza drei Jahre danach: «Waffenstillstand» auf dem Papier, Leid im Alltag

Seit Oktober 2023 bestimmt der Krieg den Alltag der Menschen in Gaza. Mehr als 74’000 Menschen haben dabei ihr Leben verloren. Hinter dieser Zahl stehen Familien, die Angehörige verloren haben, zerstörte Häuser und Leben, die sich für immer verändert haben.

Im Oktober 2025 wurde ein Waffenstillstand verkündet. Doch auch ein Jahr später bleibt die versprochene Sicherheit aus. Seit der Ankündigung wurden mindestens 1’431 Palästinenserinnen und Palästinenser getötet und 5’026 verletzt, darunter Frauen und Kinder. In den dicht besiedelten Gebieten gibt es weiterhin keinen sicheren Zufluchtsort.

Die grosse Mehrheit der 2,1 Millionen Menschen in Gaza musste ihr Zuhause verlassen. Heute drängen sich mehr als zwei Millionen Menschen auf nur noch rund 35 % des Gazastreifens. Die übrigen Gebiete sind für die palästinensische Bevölkerung nicht oder nur stark eingeschränkt zugänglich.

Gaza in Zahlen

  • 94 % der Einwohnerinnen und Einwohner benötigen eine Unterkunft
  • 83 % der Gebäude und Infrastrukturen sind beschädigt
  • 88 % der Infrastruktur für Wasser, Abwasser und Hygiene sind zerstört
  • 90 % der Energieinfrastruktur ist zerstört
  • Fast 60’000 Kinder haben einen Elternteil oder beide Eltern verloren

Eine Nachricht folgt auf die nächste. Bilder und Zahlen verlieren zunehmend ihre Wirkung, und es entsteht leicht der Eindruck, das Schlimmste sei bereits überstanden. Doch für die Menschen in Gaza ist das Leid längst nicht vorbei. Angst, Kälte, Hunger und Ungewissheit bestimmen weiterhin ihren Alltag. Gerade jetzt, wo die Aufmerksamkeit der Welt nachlässt, ist es umso wichtiger, die Menschen in Gaza nicht zu vergessen.

Unter ihnen ist Tahseen.

Der heute 14-Jährige lebt seit seiner frühen Kindheit mit neurologischen Beeinträchtigungen und erhielt regelmässig spezielle Therapien. Im Oktober 2023 sollte er für eine medizinische Behandlung nach Ägypten reisen. Doch mit Beginn des Krieges wurden diese Pläne zunichtegemacht.

Seither hat sich sein Gesundheitszustand verschlechtert. Er leidet unter Schlaf- und Appetitstörungen und ist zunehmend unruhig. Gleichzeitig kann sich seine Familie die hohen Behandlungskosten nicht mehr leisten.

Im Dezember 2023 musste die Familie ihr Zuhause verlassen. Seither lebt sie in einem Zelt, in dem es an Platz und ausreichend Wasser fehlt. Dank der Unterstützung durch die Waisenpatenschaften von Islamic Relief erhält die Familie lebenswichtige Hilfsgüter, die ihren schwierigen Alltag etwas erleichtern.

Die Geschichte von Tahseen steht für die von Tausenden Kindern in Gaza.

Ein weiterer Winter im Zelt

Hunderttausende Familien stehen vor einem weiteren Winter in abgenutzten Zelten, die kaum Schutz vor Kälte, Überschwemmungen und Krankheiten bieten. Mehr als 680’000 Kinder leben dort. Gleichzeitig erschweren Einfuhrbeschränkungen die Lieferung dringend benötigter Materialien für Unterkünfte.

Doch in den Zelten fehlt es nicht nur an einem sicheren Dach über dem Kopf. Auch Wasser, Nahrung, medizinische Versorgung und Bildung sind für viele kaum zugänglich.

Wasser und Abwasser: Alle sechs Kläranlagen sind ausser Betrieb. 91 % der Haushalte sind von einer unsicheren Wasserversorgung betroffen. Viele Familien sind auf Wasserlieferungen per Tankwagen angewiesen.

Hunger: Mehr als 1,2 Millionen Menschen, fast 60 % der Bevölkerung, sind von einer Ernährungskrise oder einer noch schwereren Situation betroffen. Bis April 2027 werden voraussichtlich 74’200 Kinder unter fünf Jahren wegen akuter Mangelernährung behandelt werden müssen.

Gesundheit: Nur 39 Gesundheitseinrichtungen sind vollständig funktionsfähig, 355 sind ausser Betrieb. Im gesamten Gazastreifen stehen noch rund 2’200 Spitalbetten und 107 Intensivbetten zur Verfügung. Es fehlt an Insulin, Dialysematerial und Sauerstoff.

Bildung: Bereits im vierten Schuljahr in Folge können 1,5 Millionen Kinder im besetzten palästinensischen Gebiet nicht sicher zur Schule gehen. 98 % der Schulgebäude sind beschädigt.

 

Islamic Relief in Gaza

Im Jahr 2026 umfassen unsere Einsätze:

  • Waisenpatenschaften: Unterstützung von über 25’000 Waisenkindern.
  • Ernährung: Warme Mahlzeiten für vertriebene Familien in Gaza-Stadt, Lebensmittelgutscheine und Bargeldhilfe für besonders benachteiligte Menschen sowie Kurban-Fleisch für 248’640 Menschen.
  • Mütter- und Kindergesundheit: Schwangerschaftsvorsorge, Vitamine und Hygienepakete für Mütter und Neugeborene.
  • Bildung: 11 provisorische Lernräume in Khan Younis für 3’600 vertriebene Kinder.
  • Psychosoziale Unterstützung: Begleitung von 3’600 Kindern und 1’157 Betreuungspersonen.
  • Wasser und Hygiene: Verteilung von 2’245 m³ Trinkwasser an 7’172 Menschen sowie 1’118 Hygienepaketen.

Im gesamten besetzten palästinensischen Gebiet erreichte Islamic Relief 2025 mehr als 500’000 Menschen. Seit Anfang 2026 konnten wir bereits mehr als 260’000 Menschen unterstützen.

Unter dem Zelt wartet Gaza auf die Rückkehr des Frühlings.

Wie können Sie Gaza unterstützen?

Mütter und Neugeborene unterstützen

Mit 800 CHF ermöglichen Sie eine sichere Geburt, Schwangerschaftsvorsorge, Medikamente und Vitamine, ein Lebensmittelpaket, ein Hygienepaket für Mutter und Kind sowie psychosoziale Unterstützung.

 

Waisenpatenschaft

Mit 70 CHF pro Monat unterstützen Sie ein Waisenkind in Gaza und helfen dabei, grundlegende Bedürfnisse wie Nahrung und medizinische Versorgung zu decken.

Gleichzeitig schenken Sie dem Kind ein Stück Stabilität im Alltag.

FAQ:

Transparenz ist uns sehr wichtig, deshalb sind wir hier, um Ihre Fragen direkt mit den neuesten Informationen über unseren aktuellen humanitären Einsatz in Gaza zu beantworten

Drei Jahre nach Beginn des Krieges liegt Gaza in Trümmern. Krankenhäuser, Schulen, Wasserversorgungsnetze und Wohnhäuser wurden weitgehend zerstört. Gefangen in einem verwüsteten Gebiet kämpft die Bevölkerung ums Überleben – angesichts von Hunger, Angst und mangelnder medizinischer Versorgung, ohne sicheren Zufluchtsort, ohne wirkliche Fluchtmöglichkeit und ohne Atempause.

Ja. Unsere lokalen, geschulten und erfahrenen Teams arbeiten ununterbrochen – trotz Bombardierungen und Vertreibungen. 

Ja. Sie können gezielt ein Waisenkind, eine schwangere Frau oder die allgemeine Nothilfe unterstützen.

Ja, und das ist sogar die beste Möglichkeit, um den Betroffenen eine stabile und nachhaltige Hilfe zu sichern. Die Bedürfnisse sind langfristig – unsere Antwort muss es auch sein. 

Trotz Bombardierungen und der israelischen Blockade, die den Zugang zur Hilfe massiv behindern – und obwohl Hunderte humanitäre Helfer getötet wurden – retten unsere Teams jeden Tag Leben. 

Unsere Prioritäten:
– Medizinische Versorgung für 500 schwangere Frauen, stillende Mütter und Neugeborene
– Patenschaft und monatliche Hilfe für 500 Waisenkinder
– Verteilung von warmen Mahlzeiten an vertriebene Familien
(Die Nahrungsmittelverteilungen hängen von der Sicherheitslage und der Verfügbarkeit des Vorrates ab.) 

Aktuelle Beispiele (September 2025):
– Wiederaufnahme der Verteilung von warmen Mahlzeiten an 5 000 Menschen im zentralen Gebiet von Gaza
– Lieferung von 350 000 Litern Trinkwasser an 15 000 Menschen innerhalb einer Woche
– Unterstützung von Krebspatienten: Mahlzeiten, Wasser, psychosoziale Betreuung 

Ja. Das Hauptbüro von Islamic Relief in Gaza-Stadt wurde Ende 2023 bombardiert. Unser Team musste dreimal umziehen. 
Diese Angriffe und Verschiebungen beeinträchtigen die Hilfe stark, insbesondere den Zugang zu Wasser in mehreren Gebieten. 

aza ist heute einer der gefährlichsten Orte der Welt, um zu entbinden.
Die Zahl der Fehlgeburten steigt, die Unterernährung nimmt zu, und viele Krankenhäuser sind zerstört oder ausser Betrieb. 

Islamic Relief unterstützt zusammen mit seinem lokalen Partner zwei der letzten funktionierenden Krankenhäuser (Al Awda und Sahaba). Wir bieten:
– Umfassende Schwangerschaftsvorsorge (Analysen, Ultraschall, Überwachung des fetalen Herzschlags usw.)
– Finanzierung von Geburten, einschliesslich Kaiserschnitten
– Nachsorge: Medikamente, Vitamine, Hygienekits
– Lieferung von lebenswichtiger medizinischer Ausrüstung (z. B. Brutkästen, die vor 2023 eingeführt wurden) 

Bis heute profitieren 1 380 Frauen von diesem lebenswichtigen Programm. 

Das Bankensystem ist lahmgelegt, die Preise sind explodiert, und der Zugang zu Bargeld ist stark eingeschränkt. 
Wir nutzen das Zahlungssystem des Welternährungsprogramms (SMS-Code oder mobile App, die in aktiven Supermärkten verwendet werden kann), wodurch Familien: 
– Nahrungsmittel, Kleidung, Wasser, Medikamente oder Unterkunft kaufen können 
– Die missbräuchlichen Zinssätze informeller Kreditgeber vermeiden 

Seit Oktober 2023 hat sich die Zahl der Waisenkinder dramatisch erhöht.
Unser Patenschaftsprogramm ist von 7 000 auf über 21 000 Kinder gewachsen. 

Jede Familie erhält monatliche Unterstützung und Zusatzpakete (Lebensmittelpakete, Eid-Geschenke, Winterkleidung usw.).
Islamic Relief sucht derzeit 7 000 neue Patinnen und Paten, davon 500 in der Schweiz.

Seit Beginn des Konflikts haben wir:
– mehr als 71,5 Millionen warme Mahlzeiten verteilt
– Gemüse- und Lebensmittelpakete geliefert
– 35 000 Frauen und Kinder mit Ernährungshilfe unterstützt 

Im Mai mussten die Verteilungen mangels Nachschubs unterbrochen werden.
Sobald es möglich ist, werden sie wieder aufgenommen. 

Ja. Wir haben:
– 350 000 Liter Trinkwasser in einer Woche an den Westen Gazas geliefert
– Toiletten und Waschmöglichkeiten in Notunterkünften gebaut
– 85 kollektive Unterkünfte regelmässig gereinigt
– mehr als 68 000 Hygienekits verteilt 

Seit Mitte September sind die Wasserlieferungen in Gaza-Stadt ausgesetzt, sollen aber bald im zentralen Gebiet wieder aufgenommen werden. 

 

Ja. Mehr als 100 000 Kinder und 500 vertriebene Frauen haben psychosoziale Hilfe erhalten:
– Spiel-, Musik-, Kunst- und Erzähltherapie
– Familiensitzungen zur Bewältigung von Stress, Verlust und Angst 

Im August wurden Aktivitäten und Spielzeuge an 150 Kinder verteilt. 

Ja. Unsere Partnerschaft mit dem Welternährungsprogramm (PAM) bleibt zentral:
– mehr als 57 Millionen Mahlzeiten und 229 000 Fertigpakete wurden gemeinsam verteilt
– Ernährungsprogramme für 35 000 Frauen und Kinder
– Aktuell: Schulungen zur Sicherheit und zur Vermeidung von Konfliktzonen 

Seit Mai sind jedoch keine weiteren Nahrungsmittelverteilungen möglich, da die Vorräte aufgebraucht sind. 

Wenn es die Sicherheitslage erlaubt, plant Islamic Relief: 
– Die Desinfektion von Notunterkünften zur Krankheitsvorbeugung 
– Die Verteilung von Hygienekits und Non-Food-Artikeln 
– Die Wartung und Instandhaltung von Brunnen 
– Die Verteilung von frischem Gemüse 
– Die Ausweitung der Verteilung von warmen Mahlzeiten auf 15 000 Personen pro Tag 
– Die Bereitstellung von 150 000 Litern Trinkwasser pro Tag 

Nein, nicht direkt. Islamic Relief ist auf kommerzielle Lieferanten angewiesen, aber die israelische Blockade erschwert den Zugang erheblich. 
Eine temporäre Lockerung im August führte zu einem leichten Preisrückgang, doch Anfang September wurden die Grenzübergänge erneut geschlossen. 
Lebenswichtige Vorräte drohen erneut zu Ende zu gehen.