Notfall in Palästina

Am 7. Oktober um 6 Uhr morgens Ortszeit brach die Eskalation der Gewalt im Gazastreifen äußerst schnell aus. Dieser Anstieg der Gewalt ereignet sich vor dem Hintergrund erhöhter Spannungen im Westjordanland und in Jerusalem, was in der internationalen Gemeinschaft und bei den Vereinten Nationen Besorgnis hervorruft hinsichtlich der katastrophalen Folgen solcher Taten.

Nach den jüngsten offiziellen Berichten zählt das palästinensische Gesundheitsministerium mehr als 32 900 Menschen, die bei den israelischen Luftangriffen getötet wurden, und mehr als 2 millionen Vertriebene. 

Islamic Relief ruft alle Parteien dazu auf, Zurückhaltung zu üben, um zivile Opfer zu vermeiden. Dennoch erwarten wir, dass sich die Situation weiter verschlechtern wird, und daher bereiten wir uns darauf vor, dringende humanitäre Hilfe für die Opfer dieser Gewalt anzubieten. Die dringendsten Bedürfnisse sind medizinische Versorgung und lebenswichtige Artikel.

Islamic Relief ist es gelungen, an einigen Orten in Gaza Nahrungsmittelhilfe zu verteilen.

In den letzten Tagen hat Islamic Relief 86 820 Lebensmittelpakete im Zentrum von Gaza verteilt. Die Pakete beinhalten wichtige Grundnahrungsmittel, um gefährdeten Familien bei der Zubereitung von Grundmahlzeiten zu helfen. 

In der südlichen Stadt Khan Yunis konnten wir mehr als 25.470 Lebensmittelgutscheine verteilen.

Islamic Relief konnte zudem mehr als 2,2 Millionen medizinische Hilfsgüter und Medikamente verteilen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind im Norden von Gaza aufgrund von Bombenschäden mindestens drei Krankenhäuser nicht mehr funktionsfähig, während mindestens 24 Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen beschädigt wurden, darunter auch das Al-Ahli-Krankenhaus. 

 Islamic Relief beobachtet die aktuelle Situation aufmerksam und bereitet sich darauf vor, Hilfe zu verteilen, wann immer dies möglich ist. Wir appelieren weiterhin an ein Ende der Gewalt und fordern die Parteien dazu auf, das humanitäre Völkerrecht zu respektieren, indem sie die Zivilisten schützen und dafür sorgen, dass die Hilfe die Bedürftigen erreicht. 

FAQ

Transparenz ist uns sehr wichtig, deshalb sind wir hier, um Ihre Fragen direkt mit den neuesten Informationen über unseren aktuellen humanitären Einsatz in Gaza zu beantworten

Transparenz ist uns sehr wichtig, deshalb sind wir hier, um Ihre Fragen direkt mit den neuesten Informationen über unseren aktuellen humanitären Einsatz in Gaza zu beantworten. 

Wir sind Zeugen einer unfassbaren humanitären Katastrophe. Gaza ist nach wochenlangen, unaufhörlichen Bombardierungen durch Israel und einer nahezu lähmenden, völkerrechtswidrigen Belagerung verwüstet, etwa 60% der Häuser sind beschädigt oder völlig zerstört. Die Vorräte an Nahrungsmitteln, Medikamenten und Wasser sind nahezu erschöpft. Einige Bewohner stehen kurz vor dem Hungertod, denn es werden nur sehr wenige Lebensmittel ins Land gelassen und Bäckereien wurden zerstört. Krankenhäuser und Schulen, die für viele Menschen Zufluchtsorte darstellen, wurden ebenfalls bombardiert. Von den 33 Krankenhäusern in Gaza sind derzeit nur neun in Betrieb und sind mit den Opfern komplett überfüllt. Die Versorgung mit Treibstoff und grundlegenden medizinischen Hilfsgütern ist äusserst begrenzt. Etwa 2 Millionen Menschen, was 80% der Bevölkerung von Gaza entspricht, wurden vertrieben – viele wurden dazu gezwungen, ihre Häuser zu verlassen und dann beim Versuch zu fliehen, wurden sie ebenfalls bombardiert. Die meisten Menschen halten sich gegenwärtig in überfüllten Notunterkünften auf, in denen sich Krankheiten rasch ausbreiten, Kinder im Regen schlafen und Hunderte von Personen eine einzige Toilette teilen müssen. 

 

Bis zum 25. März wurden mehr als 32.200 Menschen getötet, darunter waren über 14.280 Kinder, und mehr als 74.500 Menschen wurden verletzt. Die tatsächliche Anzahl der Todesopfer ist vermutlich noch höher, da mehr als 7.000 Menschen vermisst werden, von denen einige noch unter Trümmern gefangen sein könnten oder noch nicht identifiziert wurden. Die meisten Opfer sind Zivilisten wie Kinder, Studenten, Ärzte, Lehrer, Bauern, Händler, Journalisten und viele andere. Bis zum Beginn der vorübergehenden Waffenruhe wurde fast sieben Wochen lang alle zehn Minuten ein Kind getötet. 

Diese Zahlen basieren alle auf Berichten des palästinensischen Gesundheitsministeriums und der israelischen Regierung und wurden von den Vereinten Nationen veröffentlicht. 

Islamic Relief arbeitet seit 1997 in Palästina. Wir haben Büros mit einem Team, das sicherstellt, dass in Notfällen Medikamente und Lebensmittel zur Verfügung stehen. 

Diese Vorräte, die in Erwartung eines Abkommens über humanitäre Hilfe in Gaza rasch schrumpfen, werden derzeit von unserem Team und unseren Partnern verteilt. 

Ja, die Spenden sind Zakat-tauglich.

Trotz der herausfordernden und gefährlichen Lage leistet Islamic Relief Unterstützung für tausende Menschen in Gaza durch die Bereitstellung lebensnotwendiger Hilfsgüter wie Nahrungsmitteln, Medikamenten und Wasser. Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen gewährleistet unser Team vor Ort eine effektive Verteilung. Bisher konnten wir folgendes verteilen: 

  • Über 2,2 Millionen Artikel mit medizinischen Hilfsgütern, um Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen bei der Versorgung verletzter Zivilisten zu unterstützen. 

 

  • Nahrungsmittel für Tausende bedürftige Familien – in Form von Lebensmittelgutscheinen für über 25 470 Personen, Lebensmittelpaketen für über 86 220 Personen und über 1 583 260 Fertigmahlzeiten.
    • Artikel wie Decken und Matratzen für über 57 000 Menschen sowie Hygienepakete für 263 820 Menschen. 
    • Sauberes Trinkwasser für über 338 000 Personen.  
    • Psychosoziale Unterstützung für mehr als 73 883 Kinder. 
  • Wir haben auch finanzielle Unterstützung für Waisenkinder in Gaza geleistet, die über unsere bestehenden Programme betreut werden. Dadurch können wir ihnen in dieser schwierigen Zeit den Kauf von Vorräten oder die Suche nach einer Unterkunft ermöglichen. Wir verteilen täglich Hilfsgüter, jedoch hängen Umfang und Ort von der jeweiligen Sicherheitslage ab, da die schweren und willkürlichen Bombenangriffe in Gaza ein Risiko für unsere Mitarbeiter, Partner und Gemeinden darstellen. In den letzen Tagen fanden die meisten unserer Verteilungen in zentralen und südlichen Gebieten Gazas, wie z. B. Khan Yunis und Rafah statt. Die Versorgung mit Hilfsgütern ist nach wie vor äusserst schwierig, da nur wenige Lastwagen täglich aus Ägypten mit Hilfsgütern überqueren dürfen. Die gelieferten Lebensmittel, Wasser und Medikamente sind zwar enorm wichtig, jedoch keinesfalls ausreichend. Wir appellieren weiterhin für einen Waffenstillstand, das Ende der Belagerung und um die Zulassung von wesentlich mehr Hilfslieferungen ins Land. Die aktuelle Menge an Hilfe, die in den Gazastreifen gelangt, ist unzureichend, um den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden. Wir fordern zusätzlich, dass Treibstoff in den Gazastreifen gelangen darf, um sicherzustellen, dass Krankenhäuser, Bäckereien und Wasseraufbereitungsanlagen, die aufgrund fehlender Elektrizität ihren Betrieb einstellen mussten, ihre Arbeit wieder aufnehmen können. 

Wir leisten so viel Hilfe wie möglich, aber diese reicht bei weitem nicht aus. Es ist dringend nötig, einen dauerhaften Waffenstillstand zu erreichen und die Belagerung zu beenden, damit mehr Hilfe nach Gaza gelangen kann. 

Wie die meisten NGOs konnten wir bisher keine zusätzliche Hilfe von aussen nach Gaza einführen. Alle bisher verteilten Materialien stammten entweder aus den Notvorräten unserer lokalen Partner zu Beginn der Krise, die schnell aufgebraucht waren, oder wurden vor Ort in Gaza gekauft. Mit der anhaltenden Krise wird es immer schwieriger, lokal verfügbare Materialien zu finden, da die Vorräte knapp werden. 

Wir unterstützen lokale Märkte und Produzenten, wo immer dies möglich ist. Beispielsweise haben wir frisches Gemüse verteilt, das von vielen lokalen Bauern gekauft wurde, die zuvor von unseren langfristigen Programmen unterstützt wurden. Das half ihnen, Einkommen zu erzielen. Leider ist dieses Vorhaben nicht immer umsetzbar, da viele Landwirte von ihrem Land vertrieben wurden und weder Treibstoff noch Wasser haben, um eine grossflächige Landwirtschaft aufrechtzuerhalten. 

Wir begrüssen die Unterbrechung der anhaltenden Bombenangriffe auf den Gazastreifen und der sichere Austausch der Gefangenen. Wir hoffen, dass alle Parteien dies respektieren werden.  

Eine vorübergehende Pause allein wird jedoch nicht ausreichen, um das Blutvergiessen zu stoppen und die humanitäre Katastrophe zu beenden. Es wird wenig Nutzen bringen, wenn das Töten in wenigen Tagen wieder beginnt. 

Deshalb muss die internationale Gemeinschaft dieses kurze Zeitfenster nutzen, um auf einen permanenten Waffenstillstand und das Ende der Belagerung hinzuarbeiten. 

Der Waffenstillstand brachte erstmals seit sieben Wochen eine Pause bei den Bombenangriffen auf Zivilisten in Gaza sowie die sichere Freilassung einiger Gefangener und inhaftierter Kinder. Allerdings reichen die Hilfslieferungen, die in den letzten Tagen nach Gaza gelangen durften, bei weitem nicht aus, um die humanitäre Katastrophe zu bewältigen und viele Zivilisten drohen an Hunger und Krankheiten zu sterben. Der Bedarf an humanitärer Hilfe ist immens und auch ein paar zusätzliche Tage werden nicht ausreichen, um die Situation zu ändern. Vertriebene aus dem Süden Gazas durften auch in den letzten Tagen nicht in den Norden zurückkehren und wurden Berichten zufolge beschossen, als sie dies versuchten. Die Bewohner leben in Angst über wie es nach dieser letzten Verlängerung weitergehen wird. 

In Gaza gibt es etwa 50.000 schwangere Frauen und 180 Geburten pro Tag, aber die Gesundheitseinrichtungen sind zerbombt oder wegen Treibstoff- und Versorgungsengpässen geschlossen, so dass nur wenige Dienste zur Verfügung stehen. Die Babys werden in einer Umgebung geboren, in der kaum Zugang zu sauberem Wasser, Nahrung oder Gesundheitsversorgung besteht. Frisch entbundene Mütter und stillende Frauen sind aufgrund der Nahrungsmittelknappheit besonders anfällig für Mangelernährung. 

Die meisten Frauen und Mädchen in Gaza sind mittlerweile Binnenvertriebene. In den überfüllten Unterkünften ist Privatsphäre gibt es kaum Privatsphäre, wodurch sie besonders anfällig für Missbrauch sind. In den Unterkünften teilen sich Hunderte von Menschen – sowohl Männer als auch Frauen – eine einzige Toilette und Dusche.  

Islamic Relief verteilt Hygienepakete mit Menstruationsartikeln, doch der Mangel an sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen stellt eine grosse Herausforderung dar. 

 

Hunderte von Schulen wurden durch Bombenangriffe beschädigt und ohne einen dauerhaften Waffenstillstand gibt es wenig Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zur Normalität. Der Verlust von Bildung, insbesondere nach den mit Covid-19 verbundenen Restriktionen, wird sich auf den Rest ihres Lebens auswirken. 

Schon vor dem derzeitigen Krieg litten die Menschen in Gaza unter einer Krise der psychischen Gesundheit. Die 16-jährige israelische Blockade, die Gaza vom Rest der besetzten palästinensischen Gebiete und vom Rest der Welt abschnitt, sowie die häufigen Bombenangriffe hatten verheerende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Bewohner. Studien haben gezeigt, dass über 68 % der Jugendlichen in Gaza eine posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) entwickelt haben, während 95 % unter schweren Angstzuständen leiden.

Viele Menschen in Gaza haben extreme Gewalt erfahren, doch die aktuellen Bombenangriffe sind unvergleichbar. Eine ganze Generation erlebt ein Trauma, das sich die meisten Menschen nicht einmal vorstellen können. Sie haben mit eigenen Augen gesehen, wie ihre Liebsten von Bomben zerfetzt wurden, wie ihre Häuser und Schulen in Schutt und Asche gelegt wurden während sie selber zur Flucht gezwungen wurden. Dies wird verheerende Auswirkungen auf die langfristige psychische Gesundheit der Bewohner haben. 

Die Kinder in Gaza haben schwerwiegende Verluste erlitten. In den Wochen vor dem vorübergehenden Waffenstillstand starb alle zehn Minuten ein Kind. Tausende weitere wurden schwer verletzt, einige mussten amputiert werden, während andere noch immer unter Trümmern eingeschlossen sind und darauf warten, gefunden zu werden. Gaza wird mittlerweile als der gefährlichste Ort für ein Kind weltweit angesehen. 

Die überlebenden Kinder leiden unter akutem Nahrungsmangel, Wasserknappheit und medizinischer Unterversorgung. Während ihrer Flucht zu einem sicheren Ort wurden sie bombardiert und mussten mit ansehen, wie ihre Freunde und Verwandten getötet sowie ihre Häuser und Schulen zerstört wurden. Es ist ein Alptraum, aus dem es kein Erwachen gibt. 

Wir sind zutiefst besorgt um die Sicherheit und das Wohlergehen der Kinder in Gaza. Gleichzeitig machen wir uns auch Sorgen um ihre Zukunft. Durch die Unterbrechung ihrer Bildung werden ihre Hoffnungen auf eine bessere Zukunft zunehmend getrübt. 

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Zum Wohle der Kinder muss ab sofort ein dauerhafter Waffenstillstand geschaffen werden. 

Die Lage in Gaza ist äusserst gefährlich. Es gab viele Todesfälle unter humanitären Helfern, medizinischem Personal und Ambulanzfahrern. Mitarbeiter von Islamic Relief wurden bisher keine verletzt oder getötet, Gottseidank. Wir setzen alles daran, um sie in dieser Zeit zu unterstützen. 

Unser Hauptbüro in Gaza-Stadt wurde bei einem Bombenangriff stark beschädigt. Zum Glück befanden sich zum Zeitpunkt des Angriffs keine Mitarbeiter vor Ort, sodass niemand verletzt wurde. Angesichts der derzeitigen schweren und wahllosen Bombardierungen dicht besiedelter Stadtviertel ist es jedoch unmöglich, die Sicherheit von irgendjemandem zu gewährleisten. Wie die meisten Menschen in Gaza mussten auch unserer Mitarbeiter aus ihren Häusern fliehen und versuchen nun, sich und ihre Familien in Schutz zu bringen und gleichzeitig lebensrettende Hilfe zu leisten. 

Unser Team in Gaza arbeitet mit lokalen humanitären Organisationen zusammen, die über umfassende Erfahrung in der Verteilung von Nothilfe und der langfristigen Entwicklung in der Region verfügen. 

Wir arbeiten eng mit anderen internationalen humanitären Organisationen und den in Gaza tätigen Organisationen der Vereinten Nationen zusammen, um die globale humanitäre Hilfe so effektiv und koordiniert wie möglich zu gestalten. 

Wir verpflichten uns, alle gesammelten Spenden sowohl für die Soforthilfe als auch für den langfristigen Wiederaufbau zu verwenden. Ihre Spenden sind bei uns in zuverlässigen Händen. 

Nach der Verteilung beurteilt das Team, was zu diesem Zeitpunkt möglich ist – dies hängt von der aktuellen Lage ab und davon, ob es für die Mitarbeiter sicher ist, Fotomaterial zu sammeln. Die Sicherheit unserer Mitarbeiter und Partner steht im Vordergrund.

Nach der Verteilung beurteilt das Team, was zu diesem Zeitpunkt möglich ist – dies hängt von der aktuellen Lage ab und davon, ob es für die Mitarbeiter sicher ist, Fotomaterial zu sammeln. Die Sicherheit unserer Mitarbeiter und Partner steht im Vordergrund.

Mit der Intensivierung der Bombardierung sitzen die Zivilisten in Gaza in der Falle. Da der Gazastreifen unter einer Blockade steht, können sie das Gebiet nicht verlassen und haben keinen sicheren Zufluchtsort. Einige Vertriebene kommen bei Verwandten in Teilen des Gazastreifens unter, die bisher weniger bombardiert wurden. Viele Familien suchen Schutz in Schulen, die von der UNRWA betrieben werden. Jedoch wurden einige von diesen Schulen ebenfalls schon bombardiert und sie befinden sich in äusserst prekären Bedingungen. Die Realität sieht so aus, dass die Menschen täglich oder gar stündlich den Ort wechseln müssen, um in Sicherheit zu kommen.

Die geringe Menge an Hilfsgütern, die seit dem 21. Oktober nach einer Vereinbarung zur Einrichtung eines humanitären Korridors an der Südgrenze des Gazastreifens mit Ägypten nach Gaza gebracht wurde, ist längst nicht ausreichend. Laut den Vereinten Nationen entspricht die Menge lediglich 1% des tatsächlichen Bedarfs und das Treibstoffverbot Israels führt zu bedeutenden logistischen Schwierigkeiten, welche das Leiden der Bewohner verschlimmern. Spitäler, Bäckereien und Wasseraufbereitungsanlagen in Gaza benötigen Treibstoff, um ihren Betrieb bei Stromausfall fortzuführen. Es ist notwendig, dass grundlegende Lieferungen wie ausreichend Nahrung, Wasser, Treibstoff und medizinische Ausrüstung in die Enklave gelangen, um das Überleben der Menschen in Gaza zu gewährleisten. Vor der Belagerung wurden täglich 100 Lastwagen nach Gaza geliefert, doch seit Beginn der Bombardierungen am 7. Oktober sind nur 74 eingetroffen.

Den meisten Spitälern geht der Treibstoff aus – einige mussten ihren Betrieb ganz einstellen, andere stehen vor der schwierigen Entscheidung, welche Patienten sie behandeln sollen. In Gaza mussten bereits 15 von 35 Krankenhäusern schließen, und es ist zu erwarten, dass weitere folgen werden, da der Treibstoff für ihre Generatoren zur Neige geht.

Die Krankenhäuser in Gaza sind aufgrund der hohen Zahl an Verletzten völlig überlastet und benötigen dringend Unterstützung in Form von medizinischem Equipment. Ärzte und Notfallteams sehen sich gezwungen, schwierige Entscheidungen zu treffen, wer behandelt werden kann und wer nicht. Die Schliessung von Krankenhäusern hat das Gesundheitssystem in Gaza an den Rand des Zusammenbruchs getrieben, zusätzlich werden einige Krankenhäuser auch als Unterkünfte für Binnenvertriebene genutzt. Spitäler und Ambulanzen wurden wiederholt angegriffen und bombardiert. Bis zum 26. Oktober verzeichnete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 184 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen und -personal mit 16 Todesopfern und 30 Verwundeten. Von den Angriffen waren insgesamt 35 medizinische Einrichtungen betroffen, darunter 20 beschädigte Krankenhäuser und 24 beschädigte Krankenwagen.

Die Vorräte an Nahrungsmitteln schwinden, was insbesondere die ärmsten und schutzbedürftigsten Menschen betrifft. Inzwischen sind 2,2 Millionen Menschen dringend auf Nahrungsmittel angewiesen. Die Menschen warten stundenlang in der Schlange, um ein Stück Brot oder andere Lebensmittelreste zu bekommen. Luftangriffe haben einige Bäckereien verwüstet oder beschädigt. Die verbleibenden Betriebe können den Bedarf der Bürger nicht decken und drohen geschlossen zu werden. Mehl, Brot und Treibstoff neigen sich dem Ende zu. Ebenso sind andere wichtige Güter wie Milchprodukte, Gemüse, Eier und Trinkwasser knapp.

Wasser wird stark rationiert und die meisten Familien haben nur noch 3 Liter Wasser pro Person und Tag zur verfügung, was weit unterhalb der WHO-Norm von 50 bis 100 Litern liegt. Dies beinhaltet alles, wie Trinken, Waschen und Kochen. Die Menschen trinken aus unsicheren Quellen wie landwirtschaftlichen Brunnen, jedoch kann verschmutztes Wasser Krankheiten verursachen und es besteht ein wachsendes Ausbruchsrisiko wasserbedingter Krankheiten. Die sanitäre Infrastruktur in einigen Teilen von Gaza ist stark beschädigt und führt dazu, dass Abwasserkanäle auf die Strassen fliessen.

Etwa 1.4 Million Menschen wurden aus ihren Häusern vertrieben und sind nun gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Sie sind dringend auf Hilfe angewiesen – bitte helfen Sie mit, diese Not zu lindern.

Im Normalfall führen die Mitarbeiter von Islamic Relief und ihre lokalen Partner Bedarfsermittlungen durch und konzentrieren sich dabei auf die Gemeinden, die am dringendsten Hilfe benötigen.

In der derzeitigen Situation sind fast alle Zivilisten in Gaza aufgrund des Mangels an Nahrungsmitteln, Wasser und medizinischer Versorgung gefährdet. Etwa eine Million Menschen mussten ihr Zuhause verlassen und sind nun auf Unterstützung angewiesen.

Islamic Relief hilft so vielen Menschen wie möglich. Unsere Hilfe konzentriert sich auf die am stärksten gefährdeten Gruppen wie Binnenvertriebene, Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen und zivile Opfer.

Israel hat eine “totale Blockade” des Gazastreifens verkündet und verhindert damit die Einfuhr von Nahrungsmitteln, Medikamenten, Treibstoff und anderen lebensnotwendigen Gütern. Islamic Relief arbeitet gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen daran, Hilfsgüter innerhalb Gazas zu verteilen. Diese Hilfsgüter stammen entweder aus den begrenzten Beständen, die noch auf den Märkten erhältlich sind, oder aus den Beständen, die in unserem Katastrophenvorsorgeplan vorgesehen sind.

Jedoch ist die Menge sehr begrenzt und deckt bei Weitem nicht den enormen Bedarf ab. Wir fordern weiterhin das Ende der Belagerung, um eine sichere Lieferung von mehr Hilfsgütern nach Gaza zu ermöglichen.

Schwere Bombenangriffe in der Nähe von Rafah haben die Strassen schwer beschädigt und die Durchfahrt der Lastwagen weiter verzögert. Die rasche Lieferung von Hilfsgütern ist dringend erforderlich, die 20 Lastwagen mit Hilfsgütern sind bei Weitem nicht genug. Vor der aktuellen Eskalation kamen täglich etwa 100 Lastwagen mit Hilfsgütern nach Gaza – und nun ist der Bedarf viel größer. Das Abkommen bezieht sich derzeit nur auf die Einreise bestimmter Lebensmittel, Wasser und medizinischer Hilfsgüter. All das wird dringend benötigt, aber die Menschen benötigen auch Treibstoff, was nicht genehmigt wurde. Ohne Treibstoff können Krankenhäuser keine lebenswichtigen Geräte betreiben und die Wassersysteme können kein Trinkwasser pumpen. Ein Abkommen über die Aufhebung der Belagerung und die regelmässige Lieferung von Hilfsgütern und anderen lebenswichtigen zivilen Gütern nach Gaza ist notwendig, um weitere Todesfälle zu verhindern.

Das Waisenpatenschaftsprogramm ist nach wie vor aktiv und Islamic Relief kann Familien auch in der aktuellen Krise unterstützen. Einige Familien, die sich für das Programm angemeldet haben, können nach wie vor an verschiedenen Verkaufsstellen Geld von Islamic Relief mithilfe von Geldautomatenkarten abheben, wobei das Zahlungssystem des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) genutzt wird.

Aufgrund der aktuellen Lage ist die Nachfrage nach Patenschaften für Waisenkinder erheblich gestiegen. Wir freuen uns über jeden neuen Paten:in für die Waisenkinder in Gaza. Bitte beachten Sie jedoch, dass wir momentan dabei sind, die Familien verschiedener Waisen zu ermitteln und in unser Zahlungssystem aufzunehmen, was aufgrund der aktuellen Situation einige Zeit in Anspruch nehmen kann.

Anzumerken ist, dass auch in der Westbank die Not grösser geworden ist. Unser Partner vor Ort benötigt vermehrt Patenschaften für Waisenkinder und wir sind über jede neue Spende erfreut.

Islamic Relief verfügt über strenge Richtlinien und Verfahren, um sicherzustellen, dass die Hilfe für den vorgesehenen humanitären Zweck verwendet wird. Wir überprüfen alle Partnerorganisationen, bevor wir mit ihnen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass sie aufrichtig sind. Wir führen auch eingehende Kontrollen durch, um die Qualität ihrer Arbeit zu gewährleisten, welche Strategien und Verfahren sie anwenden, um die Mittel angemessen zu verwalten, die Menschen in den Gemeinschaften schützen und sicherstellen ob die Partner unsere humanitären Werte teilen.

Diese Überwachungen, Begutachtungen und Qualitätskontrollen werden von einem Islamic Relief Team durchgeführt, das sich vor Ort in Gaza befindet. Unsere Arbeit in Gaza – wie auch in anderen Teilen der Welt – wird regelmässig von weltweit führenden Auditoren geprüft, um sicherzustellen, dass die Mittel den Bedürftigen zugute kommen.

Wir führen ein umfassendes Screening der Partnergruppen und ihrer wichtigsten Führungskräfte durch. Wir führen auch eine lokalisierte Due Diligence durch, die auf Unternehmensinformationen, Presseartikeln und Informationen von Dritten beruht.

Jede Organisation, mit der wir Partnerschaften eingehen, muss ausserdem einer Vereinbarung beitreten, die Bereiche wie Risikomanagement, Werbefragen, Kinderschutz und Terrorismus abdeckt.

Islamic Relief ruft zu einem sofortigen Waffenstillstand und zur Einhaltung des internationalen Völkerrechts auf. Alle Parteien haben die Pflicht, Zivilisten vor Schaden zu schützen, zivile Infrastruktur nicht anzugreifen und sicherzustellen, dass Zivilisten Zugang zu Grundbedürfnissen wie Wasser, Nahrung und Elektrizität haben. Diese Pflicht wird derzeit eindeutig nicht erfüllt und deshalb fordern wir die internationalen Regierungen zu folgendes:

  • Einen sofortigen Waffenstillstand, um der Rettung von Menschenleben Vorrang zu geben.
  • Einem sofortigen Ende der totalen Belagerung des Gazastreifens durch Israel und die Garantie, dass die humanitäre Hilfe die Bedürftigen sicher und in Übereinstimmung mit den humanitären Prinzipien erreicht.
  • Aufruf an alle Parteien, sich an das Völkerrecht zu halten und dafür zu sorgen, dass die Zivilbevölkerung vor Schaden geschützt wird. Alle Parteien sollten es unterlassen, Zivilisten oder zivile Einrichtungen anzugreifen, und sie sollten den Zugang der Zivilbevölkerung zu lebensnotwendigen Gütern wie Wasser, Nahrung und Elektrizität gewährleisten.
  • die Hilfe für Palästina zu erhöhen, um die dringendsten humanitären Bedürfnisse zu decken, und mit den internationalen Partnern zusammenzuarbeiten, um sicherzustellen, dass die Regierungen die Finanzierung der humanitären Organisationen, die in der Krise tätig sind, aufrechterhalten.