Erdbeben in Marokko
10 Monate danach

In der Nacht des 8. September 2023 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 6,8 das Zentrum Marokkos. Familien wurden im Schlaf in den Tod gerissen und ganze Dörfer dem Erdboden gleichgemacht. Nur 19 Minuten später erschütterte ein gewaltiges Nachbeben die Überlebenden. In den folgenden Stunden und Tagen waren Hunderte weiterer Erschütterungen von Marrakesch bis Casablanca zu spüren.

EINE HISTORISCHE KATASTROPHE 

In der Nacht des 8. September 2023 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 6,8 das Zentrum Marokkos. Familien wurden im Schlaf überrascht und ganze Dörfer dem Erdboden gleichgemacht. Nur 19 Minuten später folgte ein heftiges Nachbeben, das die Überlebenden erneut in Panik versetzte. In den darauffolgenden Stunden und Tagen waren hunderte weitere Erschütterungen von Marrakesch bis Casablanca spürbar.

Die Menschen suchten verzweifelt in den Trümmern ihrer zerstörten Häuser nach ihren Angehörigen. Besonders in den abgelegenen Gemeinden des Hohen Atlas, dem Epizentrum der Katastrophe, mussten sie lange auf Hilfe warten. Rettungs- und Hilfsmassnahmen wurden durch blockierte Strassen, grosse Entfernungen und Erdrutsche erschwert. Aus Angst vor weiteren Beben verbrachten die verängstigten und traumatisierten Familien die Nächte im Freien.

AUSMASS DES ERDBEBENS

Das Erdbeben in Al Haouz war das stärkste, das Marokko in 60 Jahren erlebt hat, mit verheerenden Folgen:

  • Anzahl der Opfer: Etwa 3 000 Menschen kamen ums Leben, Tausende wurden verletzt.
  • Zerstörung von Häusern: Fast 19.000 Häuser wurden zerstört und weitere 60.000 beschädigt, wodurch viele Familien obdachlos wurden.
  • Bildungsinfrastruktur: Mehr als 580 Schulen wurden zerstört und 5600 beschädigt, wodurch die Bildung Tausender Kinder beeinträchtigt wurde.
  • Gesundheitliche und historische Infrastruktur: Zahlreiche Krankenhäuser und historische Stätten wurden beschädigt oder zerstört, was sich auf die Gesundheitsversorgung und das kulturelle Erbe auswirkt.
  • Vertriebene Menschen: Mehr als 500.000 Menschen wurden vertrieben, und mehr als 2,8 Millionen Menschen sind betroffen, darunter 100.000 Kinder.

ISLAMIC RELIEF VOR ORT

Islamic Relief reagierte sofort und startete einen Spendenaufruf über 12 Millionen Franken, um den Betroffenen zu helfen. In Zusammenarbeit mit lokalen Partnern wie der Al Mobadara Association und At Tawassol verteilte die Organisation dringend benötigte Hilfsgüter. Innerhalb von zwölf Wochen stellte Islamic Relief mehr als 3400 Decken, 2600 Matratzen und warme Kleidung für Menschen bereit, die der Kälte ausgesetzt waren.

WIEDERAUFBAU UND ENTWICKLUNGSHILFE 

Auch zehn Monate nach dem verheerenden Erdbeben bleibt der Bedarf an humanitärer Hilfe enorm. Islamic Relief reagiert weiterhin auf die dringenden Bedürfnisse der Betroffenen und identifiziert gleichzeitig neue Bereiche zur Verbesserung der Lebensbedingungen. Bisher hat die Organisation 20 Fertighäuser aufgestellt, zwei Fertigschulen gebaut und Latrinen zur Bekämpfung von Epidemien installiert.

AUFBAU LOKALER FÄHIGKEITEN 

Lokale Hilfsorganisationen sind entscheidend bei der Katastrophenhilfe. Islamic Relief unterstützt sie durch Kompetenzaufbau-Schulungen, sodass sie effektiver auf Notfälle reagieren und die Gemeindeentwicklung fördern können. Für zwei lokale Partner wurde ein umfassendes Schulungsprogramm ins Leben gerufen, das ihre Fähigkeiten in Programmgestaltung, Finanzen, Logistik sowie Berichts- und Bewertungserstellung stärkt.

Das Erdbeben in Al Haouz hat in Marokko tiefe Spuren hinterlassen. Monate nach dem Ereignis gehen die Hilfsmassnahmen unvermindert weiter, doch der Weg zum Wiederaufbau ist noch lang. Internationale Solidarität und die Arbeit von Hilfsorganisationen wie Islamic Relief sind in diesem Heilungs- und Genesungsprozess von entscheidender Bedeutung.